Wie verhalten sich intelligente Akteure in einem Labyrinth? Wie handeln Banken in der Krise? Auf was kann man sich verlassen? Die Griechenland-Krise und die Bankenkrise bilden eine Herausforderung an sämtliche traditionelle Lehrmeinungen in der Ökonomie und in der Soziologie. Zehn Filme mit Dirk Baecker, H. M. Enzensberger, Joseph Vogl, Lord Ralf Dahrendorf, Dr. Harald Schumann, Jakob Arnoldi, Hannelore Hoger und vielen anderen.
Folgende Filme finden sich ab
Freitag, dem 30.04.2010 in der Themenschleife „Der
blinde Fleck im Auge der Banken“ auf dctp.tv:
Der blinde Fleck im Auge der Banken
Der Sturz von Lehman Brothers und die Kollateralschäden,
die die Bankenkrise auslöste, bilden eine Herausforderung
an sämtlichen traditionellen Lehrmeinungen in der
Ökonomie und in der Soziologie. Dirk Baecker, Soziologe
an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen, über die
Frage: Worauf kann man vertrauen? Worauf kann man auf
keinen Fall vertrauen?
Was heißt Börse auf
Russisch?
Mit Galina Antoschewskaja. In der russischen Sprache
ergeben sich zwischen den Worten „Börse“, „Haus“
und „Wirtschaft“ andere Verknüpfungen, als in anderen
europäischen Sprachen.
Ein Denkmal für den unbekannten Finanzsoldaten
Bekannt ist das Denkmal für den unbekannten Soldaten. Es
ehrt die anonymen Gefallenen des Kriegs. Die Fußsoldaten
des Finanzwesens, zum Beispiel die Buchhalter und die
Gerichtsvollzieher, blieben bisher ohne eine solche
Ehrung. Einem Vorschlag Peter Sloterdijks folgend,
entwickelt die bekannte Architektin Hildegard Mückert
derzeit ein solches Denkmal für Berlin-Mitte. Es geht um
einen Bau, der, einem Stollen ähnlich, in die Tiefe
führt. Formal hat die Architektin sich am Untergang eines
großen Dampfschiffes im Jahr 1912 orientiert.
Die
Grenzen der Modelle
Mit Hans Magnus Enzensberger. Die These, sagt
Enzensberger, dass Märkte Gleichgewichte herstellen,
hält der Prüfung nicht stand. Das Chaos des Lebens
lässt sich nach mathematischen Modellen nicht
beschreiben.
John Law und die Erfindung der Wertpapiere
Mit der Erfindung der Wertpapiere in Frankreich im 18. Jh.
verbindet sich die erste große Finanzkatastrophe. Der
Bankier des Königs namens John Law hatte zunächst
Erfolge, produzierte eine Spekulationsblase und endete
einsam im Exil in Venedig.
Das Dahrendorf-Problem
Für mittelalterliche Scholastiker wie Thomas von Aquin
zählte die Akedia zu den Todsünden. Es handelt sich um
eine träge Form der Verzweiflung, sie macht unbeweglich
und ist die schärfste Feindin der Freiheit. Eine andere
Gefährdung der Freiheit besteht im Stop Trying: Freiheit
ist gegeben, wird aber nicht genutzt. Für das notwendige
trial and error-Verfahren fehlt ein wesentliches Glied:
Nicht einmal Irrtum setzt die Welt noch in Bewegung. Mit
dem Soziologen Lord Ralf Dahrendorf, dem langjährigen
Chef der London School of Economics.
Wie lange haben wir noch Zeit?
Die starken Echos der Finanzkrise überdecken, dass sich
die Probleme auf unserer Erde auch auf anderen Gebieten
häufen. Der globale Countdown fordert die Verständigung
über eine neue Weltordnung. Diese setzt eine nachhaltig
stärkere Beteiligung und Eigeninitiative der Bürger
voraus. Und zwar auf der Ebene, auf der sie sich
auskennen.
Der Journalist und Autor Dr. Harald Schumann, Redakteur
des Berliner Tagesspiegel, berichtet.
Physikalische Erkärungen der Finanzkrise
Mit Prof. Dr. Stefan Bornholdt, Universität Bremen.
Noch immer sind Mathematik und theoretische Physik die
Voraustruppe der menschlichen Intelligenz. Tatsächlich
können Erfahrungssätze der theoretischen Physik
Einzelheiten der Finanzkrise erklären helfen. Kein
geschlossenes System (und die Finanzwelt ist ein solches)
hat sich je selbst reformiert. Es war immer eine
Übertragung von Gedanken aus einem fremden Ressort
nötig, wenn es um überraschende Änderungen ging.
Der Angriff der Zukunft auf die Gegenwart
Die große Finanzkrise wird vielfach mit dem Crash von
1929 verglichen. Näher liegt der Vergleich z. B. des
Zusammenbruchs der Bank Bear Stearns oder Lehman Brothers
mit der Havarie des Kernkraftwerke Tschernobyl oder
Harrisburg. In diesem Zusammenhang ist zu unterscheiden
zwischen Risiken, die durch Wahrscheinlich-keitsrechnung
und die Mathematik des Grenzwertsatzes näher bestimmt
werden können und purem Nichtwissen, das mit keinerlei
mathematischen Formeln oder geschäftlichen Tricks
ausgeglichen werden kann.
Die tiefere Ursache der Finanzkrise, sagt der Soziologe
Dr. Arnoldi, liegt im System der Ausgrenzung des sog.
"framing". In überkomplexen Technologien müssen Teile
der Realität unbeachtet bleiben, damit überhaupt
gehandelt werden kann. Was aber dabei ausgegrenzt wird,
unterliegt bisher keiner hinreichenden Aufmerksamkeit. Die
Forschungen von Niklas Luhmann (Kritische Systemtheorie)
und Ulrich Beck (Risikotheorie) sind hier grundlegend. Der
Soziologe Jakob Arnoldi, Vize-Dekan für Forschung an der
Aarhus University in Dänemark, berichtet.
Direktlink zur Themenschleife „Der blinde Fleck im
Auge der Banken“:
http://www.dctp.tv/blinde-fleck-im-auge-der-banken/
Die Zukunftssüchtigkeit des Kapitals
Mit Joseph Vogl. Das Kapital und der Kredit beleihen die
Zukunft. Sie waren von jeher Fantasieprojekte. Hieraus und
nicht aus der Realität beziehen sie ihre Rasanz und
Durchschlagskraft. „Das Kapital macht den Dingen
Beine“.



