Wahrscheinlich haben Sie sich auch schon gefragt, wer die Kosten für die diversen gigantischen Rettungspakete bezahlen muss, welche die Regierungen aller Herren Länder in den vergangenen Wochen und Monaten lanciert haben. Die Antwort ist einfach und plausibel: wir alle.
Zur Erinnerung: die aktuelle Finanzkrise ist entstanden, weil sich eine Menge Menschen dazu entschieden haben Güter zu erwerben, ohne das notwendige Kapital hierfür zur Verfügung zu haben. Das war kein Problem, denn die Zeiten waren günstig, da genügend Geld zu attraktiven Konditionen auf dem Markt war.
Wenn die Zinsen tief sind, können mit dem vorhandenen Einkommen viel mehr Schulden finanziert werden als in Phasen mit normalen oder hohen Zinssätzen. Aus diesem Grunde erreichte die Verschuldungsquote ein aberwitziges Verhältnis: Investoren kauften spekulativ Objekte mit einem minimalen Eigenkapital, Privatpersonen finanzierten sich Liegenschaften, welche sie sich in Normalzeiten niemals hätten leisten können und leisteten sich obendrauf – es kostete ja nichts – gleich noch die Inneneinrichtung und den Wagen dazu.
Sobald die Zinsen jedoch wieder steigen, werden Schulden,
die auf der Naht genäht sind, nicht mehr finanzierbar.
Die Folge: Schuldner fallen aus, die Zinsen (inkl.
Risikoprämie) steigen an, das Angebot an Objekten nimmt
zu, der Marktpreis fällt, Neubewertungen erfolgen, die
Schuldner müssen Eigenmittel nachschießen - was sie oft
nicht können, noch mehr Schuldner fallen aus, noch mehr
Objekte kommen auf den Markt, die Beleihungsquoten sinken,
weniger Menschen können sich Liegenschaften leisten, die
Preise sinken weiter…
Und nun also der Staat. Die Goodies, welche die Regierung
im Moment weniger nach wirtschaftlichen denn nach
politischen Gesichtspunkten verteilt, sind ein Darlehen
auf die Zukunft, dessen Zinsen im Moment überschaubar
sind – weil der Staat als einzig noch verbliebener
Schuldner von bester Qualität wahrgenommen wird. Früher
oder später werden die Zinsen aber an die Realität
angepasst werden und dann unbezahlbar sein.
… wer hat soviel Geld?
Egal ob Sie nun Mitglied einer Rentenversicherungskasse, Privatanleger, Angestellter oder Unternehmer sind, diese Entwicklung muss Ihnen zu denken geben, weil sie mittel- oder langfristig Einkommen und Vermögen gefährdet.
Einkommen, weil damit Mittel gebunden (bzw. ausgegeben) werden, welche später für die Sicherung der Sozialwerke nicht mehr zur Verfügung stehen. Das bedeutet entweder, dass der Realwert der Renten sinken wird oder die Beiträge der Beitragszahler noch stärker steigen. Wahrscheinlich ist allerdings, dass beides gleichzeitig eintreffen wird.
Das Vermögen, weil der Markt weltweit mit Geld überflutet wird – und das bei einer sinkenden Wirtschaftsleistung. Wenn Neugeld ausgegeben wird, ohne dass diesem in selbem Maße irgend ein Wertzuwachs gegenüber steht, wird der Wert des Geldes vermindert. Die Menschen vertrauen dem Wert des Geldes nicht mehr, weil es so leicht zu bekommen ist. Inflation ist die zwingende Folge dieser Entwicklung.
Dabei sprechen wir nicht von einer Inflation von 3, 4 oder gar 5% (was für die meisten Rentner langfristig nicht mehr zu stemmen wäre), sondern von Zahlen um die 10%. Dies würde nach wenigen Jahren zu einem Desaster für Privatanleger und deren Altersvorsorge führen. Dabei haben wir die Folgen für die Privatwirtschaft noch gar nicht berücksichtigt.
Inflation oder Deflation – alles eine Frage der
Zeit
Im Moment streiten sich die Gelehrten allerdings gerade darüber, ob Inflation tatsächlich die größte Gefahr darstelle oder ob nicht vielmehr Deflation (also fallende Preise, bei einer schrumpfenden Volkswirtschaft) drohe.
Diese Diskussion ist müßig: im Falle einer Deflation verliert der Staat dringend benötigte Einnahmen, welche er zur Finanzierung der Schulden benötigt. Er wird zur Bestreitung seiner Zahlungsverpflichtungen darum auch in einer Deflationsphase neue Schulden machen müssen. Inflation zur Abwendung der drohenden Zahlungsunfähigkeit ist in diesem Falle wohl nur aufgeschoben.
In meinem nächsten Beitrag werde ich Ihnen aufzeigen, wie Sie als Privatanleger auf dieses Szenario reagieren sollten.
Sie möchten weitere Informationen zu diesem und anderen Finanz-Themen? Dann besuchen Sie mein wöchentliche Kolumne auf www.altersportal.de.
Ihr
Sidney Batt
(Finanzplaner mit eidg. FA)



