Wirtschaftsabschwung treibt die Insolvenzzahlen in die Höhe. Creditreform prognostiziert einen Anstieg auf bis zu 850 Unternehmensinsolvenzen im Land Brandenburg. Folge: Noch mehr Arbeitslose und Konsumverzicht. Aber Unternehmen planen neue Geschäftsbeziehungen sorgfältiger!
Pro Tag geben etwa zwei Unternehmer im Land Brandenburg
auf. Für 2009 erwartet Creditreform einen deutlichen
Anstieg der Unternehmensinsolvenzen auf bis zu 850 Fälle.
Noch im Vorjahr war die Zahl der Unternehmenspleiten im
ostdeutschen Bundesland leicht rückläufig. Zwischen
Januar und Dezember 2008 beschäftigten 730 Fälle (2007:
800 Fälle) die Gerichte in Brandenburg.
Die Gründe für den zu erwartenden deutlichen Anstieg der
Firmenpleiten im Jahr 2009 liegen auf der Hand: Für die
gesamte Wirtschaft wird 2009 ein schwieriges
Rezessionsjahr werden. Die meisten Unternehmen mussten
ihre Geschäftser-wartungen bereits deutlich nach unten
revidieren, die Finanzierungssituation der Unternehmen hat
sich verschlechtert, die Forderungsausfälle steigen und
die Kredit-versicherer ziehen sich aus Teilen des Marktes
ganz oder teilweise zurück. Vielen bonitätsschwachen
Unternehmen wird die schrumpfende Nachfrage, gepaart mit
einer eingeschränkten Kreditvergabe, massive
Schwierigkeiten bereiten. Schon jetzt befürchten 38
Prozent der von Creditreform im November 2008 befragten
Unter-nehmen, dass für sie künftig keine Kredite mehr
erhalten werden.
Jochen Wolfram, Geschäftsführer bei Creditreform
Brandenburg (Havel), Frankfurt (Oder) und Berlin
beschreibt die Krise als Spirale mit vielen Facetten.
„Schließen regionale Unternehmer ihre Firmen, werden
Arbeitnehmer freigesetzt, die am Einkommensminimum leben
und nun auf Konsum verzichten. Dies führt letztlich zu
einer schwächelnden Konjunktur. Die Krise ist in
Brandenburg bereits zu spüren.“
Aber auch positive Aspekte sind nicht zu übersehen:
Immerhin haben viele Mittelständler der Ernst der Lage
erkant und Gegenmaßnahmen ergriffen. Die Firmen bauen
ihre Frühwarnsysteme weiter aus, die Nachfrage nach
Wirtschaftsauskünften zieht an, Überprüfung von Neu-
und Bestandskunden gehört für viele Brandenburger
Unternehmer mittlerweile zum Tagesgeschäft. Immer mehr
neue Märkte werden auf viele Arten von
bonitätsrelevanten Strukturen überprüft.
Insolvenzen kosten viele Arbeitsplätze
Die Zahl der von der Insolvenz ihres Arbeitgebers
betroffenen Beschäftigten wird sich nach Creditreform
Schätzungen bei rund 6.500 Personen allein im Land
Brandenburg bewegen. Bei einer Großpleite im
fünftgrößten Bundesland Deutschlands könnte diese Zahl
sogar noch höher liegen.
Insolvenzgefährdete Branchen in 2009
Wie sich schon 2008 abzeichnete, spürt die gesamte
Autobranche samt den Kfz-Händlern den
Wirtschaftsabschwung besonders deutlich. Inwieweit die
Ver-schrottungsprämie von 2.500 Euro die Pkw-Nachfrage
nachhaltig ankurbeln kann, bleibt abzuwarten, erste
positive Tendenzen sind jedoch bereits spürbar. Steigende
Insolvenzzahlen dürften es auch in der Transport- und
Logistikwirtschaft sowie in vielen unternehmensnahen
Dienstleistungsbereichen, wie Call Centern,
Personalvermittlungs- und Verleihagenturen geben. Besser
stehen die Aussichten dagegen für den Hochbau, die
Elektroinstallations- und die Nahrungsmittelbranche.
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